Apr
03
2010
619

Skihochtour im Berner Oberland (ca. 10000 hm)

Vorbereitung auf die Patrouille des Glaciers

Eigentlich war diese Woche als Sektionstour des Alpenvereins geplant. Wir nutzten diese Zeit jedoch, um die dringend benötigten roten Blutkörperchen für die Patrouille des Glaciers (PDG) zu produzieren.

So entschlossen wir (Lolo, René und Poschi) uns, drei Tage eher anzureisen, um die Osterwoche komplett auszunutzen.

Über die Autoverladung in Kandersteg ging es nach Goppenstein und von dort zum Ausgangspunkt nach Blatten (1540m).

Aufstieg zur Hollandiahütte

Erst folgten wir der Langlaufloipe einige Kilometer. Dann ging es über den Langgletscher hinauf zur Lötschenlücke und schließlich auf die Hollandiahütte, die von weitem schon sichtbar war. In fünf Stunden schafften wir den Aufstieg, der sich zum Ende hin als kleiner Leidensweg gestaltete. Nach knapp sieben Stunden Autofahrt von Abensberg (370m) und einem Aufstieg von 1700 hm waren wir leicht angeschlagen, als wir an der Hütte (3238m) ankamen. Wir hatten natürlich keine Reservierung, da die Hüttenwirtin im Internet bereits angekündigt hatte, dass sie über Ostern völlig ausgebucht sei.

Dementsprechend gut gelaunt empfing sie uns dann auch und steckte uns erst einmal für eine Nacht in den Vorratsraum der Hütte, unter dem Dach. Es war zwar eisig kalt, aber immerhin mussten wir nicht im Freien schlafen. Am Abend begann es zu schneien.

Sicher auf den Gipfel

Der nächste Tag war, wie schon angekündigt, der schlechteste den wir haben sollten. Daher gingen wir auf Nummer sicher und beschlossen, aufgrund des Neuschnees, den gemäßigten Anstieg auf die Äbeni Flue (3962m) zu wagen. Dieser Berg wird oft für Heliskiing genutzt, da auf dem Gipfelplateau ausreichend Platz zum Landen besteht. Die Sicht an diesem Tag war gleich „Null“ mit leichtem Schneefall. Wir konnten froh sein, dass einige Bergführer die Koordinaten des Aufstieges in ihren GPS-Geräten gespeichert hatten. Das GPS war allerdings schnell in unseren Händen und wir spurten im knietiefen Schnee auf den Gipfel, gefolgt von den Bergführern mit ihrer Schneeschuhtruppe, die lieber uns die Quälerei überlassen wollten. Auf dem Heligipfel angekommen, freuten wir uns schon auf eine genussvolle Powderabfahrt. Leider zerplatze diese Vorstellung sehr bald, da der viele Schnee eher hinderlich war und somit hieß es auch bergab wieder schieben. Auch unsere Aufstiegsspur war teilweise wieder zugeblasen und so freuten wir uns letztendlich über ein paar Stunden an der frischen Luft.

An der Hütte angekommen, durften wir auf Nachfrage eine weitere Nacht in der Hollandiahütte bleiben, dazu noch in einem neuen Zimmer mit gemäßigter Temperatur.

Bergab spuren

Am dritten Tag entschieden wir uns, lediglich über den Großen Aletschfirn zur Konkordiahütte abzufahren. Der viele Neuschnee und die noch immer anhaltend große Lawinengefahr gönnten uns keinen Gipfel. „Abfahren“ wollten wir, deshalb ließen wir uns auch mit dem Frühstück etwas Zeit. Außerdem war draußen noch jede Menge Nebel, der sich erst einmal auflösen musste. So packten wir gemütlich unsere Rucksäcke und gingen los, in der Hoffnung, jemand hätte bereits eine Spur über den Aletschfirn gezogen. Aber auch das stellte sich als Irrglaube heraus. Alle anderen Tourengeher brachen erst gegen Mittag auf (was sich später herausstellte). Eine Stunde im Blindflug spurten wir mit Abfahrtsausrüstung (ohne Felle an den Skiern) über den leicht abfallenden Aletschfirn. Diesmal war der Schnee stellenweise bereits hüfttief. Nachdem sich jedoch der Nebel auflöste, offenbarte sich die grandiose Sicht hinunter zum sechs Quadratkilometer großen Konkordiaplatz (2720m) an dessen Rändern der Große Aletschfirn, Jungfraufirn, Ewigschneefeld, Grüneggfirn und der Große Aletschgletscher anstoßen.

Mit Blick auf die Konkordiahütte spurten wir den restlichen Weg hinunter zum Konkordiaplatz und entschlossen uns noch ein paar Höhenmeter zur Grünhornlücke (3280m) draufzupacken. Die Abfahrt zurück in Richtung Konkordiaplatz waren die einzigen Meter, die wir an diesem Tag nicht schieben mussten. Inzwischen war es durch das wunderbare Wetter doch schon sehr warm geworden. Wir waren froh, als wir am Fuße der Konkordiahütte ankamen. Um das Treppengerüst an der Hütte wussten wir, dass wir allerdings 433 Stufen auf 100 hm verteilt, nahezu klettern mussten, überraschte uns völlig. Der „Spaziergang“ auf die schönste Terrasse der Alpen, war auf alle Fälle nochmals eine gehörige Portion Nervenkitzel.

4000er verpasst

Im Morgengrauen starteten wir in Richtung Grünhorn (4043m). Der ausgesprochen kompetente Hüttenwirt legte in weiser Voraussicht das Frühstück für uns auf fünf Uhr. Schließlich dauert die Tour zehn Stunden. Dass wir das Grünhorn später nicht erreichen würden, war uns schnell klar. Alle die an diesem Tag in die gleiche Richtung gingen, hatten mal wieder keine Lust zu spuren und hatten immer Pause, wenn auch wir Pause machten. So verlagerten wir unser Ziel und peilten das Grünegghorn (3860m) an. Den Empfehlungen des Hüttenwirts zum Routenverlauf folgend, spurten wir bis an den Vorgipfel (3787m). Dann zogen wir die Steigeisen an und stapften die ersten Treter in den Gipfelgrat. Wir dachten, wir wären die einzigen, leider wollte noch ein Paar aus Oberbayern mit auf den Hauptgipfel. Drei Seillängen gingen wir schließlich zu Fünft, bis wir aus Zeitmangel den Rückzug antraten. Wir mussten ja noch zur Finsteraarhornhütte (3048m). Nach der Abfahrt unter einer Monsterwechte hinunter zum Grüneggfirn stiegen wir zur Grünhornlücke auf und fuhren anschließend auf die gegenüberliegende Seite ab. Dort trafen wir auf unsere Sektionskollegen, die mit der Jungfraubahn in die Berner-Berge gestartet waren.

Zwei auf einen Streich

Wieder ein wunderbarer Tag, um endlich den ersten 4000er anzupacken. Wir gingen zusammen in der großen Gruppe über den Walliser Fiescherfirn an den Fieschersattel (3923m). Ab hier legten wir die Steigeisen an und kletterten ca. dreißig Minuten den Blockgrat hinauf zum Gipfel des Großfiescherhorns (4049m). Vom Gipfel hatte man eine herrliche Aussicht auf die drei Großen, Eiger, Mönch und Jungfrau. Da uns noch genügend Zeit blieb, packten wir gleich noch Einen. Den Nachbargipfel, das Hinterfischerhorn (4025m). Zehn Minuten dauerte die Kletterei auf den Gipfel und alle freuten sich über den zweiten 4000er an diesem sonnendurchsetzten Tag. Stefan und René verließen uns anschließend. Sie mussten wieder über die Grünhornlücke, den Konkordiaplatz und die Lötschenlücke zurück nach Blatten, die Heimreise antreten.

Auf den Thron der Berner

Perfekte Verhältnisse gab es auch am nächsten Tag. In aller Früh brachen wir auf, um den höchsten Berg der Berner Alpen, das Finsteraarhorn (4274m), in Angriff zu nehmen. Gleich neben der Hütte stiegen wir im Dunklen die erste Stunde auf. Als es hell wurde, wollte sich die Sonne jedoch noch nicht zeigen und so blieb es erst einmal neblig. Kurz vor dem Brotzeitplatz mussten die Skier ein paar Meter getragen werden, um nach links über den Felsriegel auf die Südwestflanke wechseln zu können. Dann ging es hinauf zum Hugisattel (4088m), wo sich das Skidepot befand. Hier begann der Höhepunkt der Tour. Der Gipfelanstieg über den Nordwestgrat. Uns umgab noch immer Nebel, der sich langsam aufzulösen schien. Manchen in unserer Gruppe kam das gerade recht, da sie den Boden der steil abfallenden Flanken nicht sehen konnten. Nach gut eineinhalb Stunden Kletterei im Blockgelände, standen alle auf dem Gipfel. Der Nebel war in der Zwischenzeit völlig aufgelöst und wir hatten einen traumhaften Blick über die gesamte Zentral- und Ostschweiz. Berg Heil!

Klassische Anstiege

Wolkenloser Himmel, was für ein Tag! Er führte auf die klassischen Skigipfel vor der Finsteraarhornhütte. Wir gingen auf das Groß Wannenhorn (3906m). Ein wunderbarer Skiberg mit ideal geneigten Südost- und Nordosthängen. Bei der Abfahrt spritze uns der Schnee bis an die Nasenspitze und wir wollten mehr! So eine Abfahrt macht einfach süchtig. Daher suchten wir noch ein Ziel mit ähnlicher Exposition und beschlossen auf den Wyssnollen (3590m) aufzusteigen. In leicht dezimierter Gruppenstärke ging es in steigendem Tempo hinauf zum Gipfel. Völlig zerstört und außer Atem genossen wir den letzten Gipfelblick, bevor es erneut in eine Traumabfahrt ging.

Grande Finale

Wehmütig nahmen wir Abschied vom Berner Oberland. Allerdings stand noch ein Schmankerl an: Die Abfahrt über die Bächilücke auf den Bächigletscher. Ein letztes Mal mussten wir noch aufsteigen, um auf die Bächilücke (3382m) zu gelangen. Dann startete die gigantische Abfahrt nach Reckingen. 1700 Höhenmeter konnten wir abfahren. Der Gletscher firnte zunehmend auf und wir hatten nochmals eine unbeschreiblich genussvolle Abfahrt, in einem Bergpanorama, das seines Gleichen sucht. Die Gletscherzunge war wie eine Piste, absolut ebenflächig mit knapp fünf Zentimeter Firn. Da hatten sogar die alten Hasen (Hans und Quirin) ein Dauergrinsen aufgesetzt. Was für eine Abfahrt! Im Hintergrund das Hintere Galmihorn (3486m), links und rechts hohe Felswände diverser Dreitausender und vor uns der Blick ins sommerliche Tal. So beendeten wir eine Woche Skihochtour, die man nur schwer übertreffen kann. Gemeinsam stiegen wir in Reckingen in den Zug und traten schweren Herzens die Rückfahrt nach Interlaken an!

Chapeau, für diese eindrucksvolle Woche!

Höhenprofil
GPS-Track (Download)