Sep
26
2009

Watzmann-Ostwand 2713 m (2100 hm) von St. Bartholomä am Königssee, Berchtesgadener Alpen

Pünktlich wie die Maurer

Erst am Mittwoch entschieden uns Werner und ich, Lolo, unsere DAV-Sektionstour durch die Watzmann-Ostwand am kommenden Wochenende zu führen. Der Wetterbericht sagte “Stabiles Herbstwetter” voraus. Insgesamt machten wir uns am Freitag zu fünft auf den Weg zum Königssee: Werner und ich als Führer, Rup als Fachübungsleiter in Ausbildung, Christian und der erst 11-jährige Severin, der Sohn von Werner. Um am nächsten Tag früh starten zu können, sollte man am Vortag der Besteigung mit dem Schiff auf die Halbinsel St. Bartholomä fahren. Unser Problem: Das letzte Schiff fährt um 16.45 Uhr. Als die prognostizierte Ankunftszeit des Navis im Stau am Irschenberg immer weiter nach hinten rückte, wurden wir langsam nervös. Schließlich trafen wir um 16.30 Uhr am Parkplatz ein und erreichten das Schiff nach einer hektischen Packaktion gerade noch.

Nachdem Severin (11) ein riesiges Schnitzel zu Abend gespeist hatte, krochen wir um kurz nach neun Uhr allesamt in die Betten des Ostwandlagers. Um halb fünf klingelte der Wecker, eine halbe Stunde später stolperten wir mit Stirnlampen in Richtung Eiskapelle. Bei dichtem Nebel navigierten wir durch das Weglabyrinth der Eiskapelle, ehe wir den klar sichtbaren Pfad erreichten, der durch Latschen und Rinnen empor führt
Outdoor-Zeit.de

Abwechslungsreiche Kletterei 

Ab der Querung zum großen Geröllfeld nahm Werner seinen Sohn Severin ans kurze Seil. Außerdem strahlte ab diesem Zeitpunkt die Sonne in die Wand und verwandelte die Ostwand in ein riesiges, beleuchtetes Amphieteather. Über der Nebeldecke kletterten wir der Schlüsselstelle, der Wasserfallwand (3+), entgegen. Nachdem wir bei diesem Stück zwei Seillängen gesichert hatten, ging es erst in einem Kamin, später sehr ausgesetzt weiter. Nach einer weiteren schweren Stelle (3+/4-) rechts neben einer Höhle wurde das Gelände deutlich leichter und wir gelangten an den Fuß der Gipfelschlucht. Eine ausgiebige Pause ließ uns – vor allem aber Sevi – wieder zu Kräften kommen.

In den Ausstiegskaminen und an der letzten schwierigen Stelle (Drathschlinge) packten wir erneut das Seil aus. Nach knapp zehn Stunden Kletterei stiegen wir um 15 Uhr auf den Gipfel der Südspitze aus. Severin hatte es geschafft! Mit elf Jahren durch die Watzmann-Ostwand! Respekt!

Der Abstieg übers Wimbachgries zog sich so in die Länge, dass wir nach der verdienten Rast auf der Wimbachgrieshütte erst bei völliger Dunkelheit an der Wimbachbrücke ankamen. Der Tag endete also so wie er begonnen hatte – im Schein der Stirnlampe.


Geschrieben von Lolo in: Bergsteigen | Schlagwörter: , , , , , , ,
Apr
10
2009

Große Reibn (ca. 4400 hm) von Schönau a. Königssee, Berchtesgadener Alpen

“D´groo Reibn hald”

Für die einen ist es der Skitourenklassiker in den Ostalpen, für die anderen ist die Große Reibn die bekannteste Skitour der Berchtesgadener Alpen. Dabei handelt es sich um eine zwei- bis viertägige Durchquerung, die den Königssee in einem riesigen Bogen im Uhrzeigersinn umrundet. Hier kurz einige Daten zur Tour:

1. Tag: 3300 Höhenmeter, 31 Kilometer, 11:30 Stunden (davon 8:30 h reine Gehzeit), je 4 Aufstiege und Abfahrten
Übernachtung Kärlingerhaus

2. Tag: 1100 Höhenmeter, 21 Kilometer, 5:30 Stunden (davon 4 h reine Gehzeit), je 2 Aufstiege und Abfahrten

Der weite Weg zum Funtensee

Erst bei der Hinfahrt nach Berchtesgaden haben wir, Poschi und Lolo bemerkt, dass der erste Tag mit 2200 Höhenmetern und 28 Kilometern angegeben war. Doch da wir uns die Bergfahrt mit der Jennerbahn sparten, kamen nochmal 1100 Hm und gut drei Kilometer Strecke hinzu. Mit T-Shirt und Sonnenbrille reihten wir uns in die Karawane an Skibergsteigern ein, die auf den Schneibstein (2276 m) pilgerte. Der erste Gipfel war erreicht, doch ein Blick aufs GPS beunruhigte uns: “Wenn wir so weitergehen, dann kommen wir um halb acht auf der Hütte an”, sagte Poschi ungläubig. Dies sollte sich später allerdings bewahrheiten…
Nach einer kurzen Abfahrt ging es weiter mit Fellen an den Skiern auf den Schlumkopf (2204 m). Wiederum folgte ein kurze Abfahrt. Beim Aufstieg am Kahlersberg vorbei trafen wir zwei junge Burschen, Robert und Seppe, die uns den Rest der Tour begleiteten. Im Anschluss, beim Aufstieg in Richtung Teufelshorn, begegnete uns ein Paar, das die Reibn in anderer Richtung an einem Tag ging und schon seit 13 Stunden unterwegs war: Wahnsinn! Echte Berchtesgadener! Nach der Abfahrt in den Eisgraben zogen wir erneut die Steigfelle auf und begannen den letzten Anstieg durch die lange Gasse. Diese machte ihrem Namen alle Ehre und so erreichten wir erst um halb sieben den Sattel der Niederbrunnsulzen (2368 m). Am Ende unserer Kräfte war Seppe so fertig, dass er sagte: “I glaub i muas schbeim.” Beim letzten Sonnenlicht schwangen wir zum Kärlingerhaus (1601 m) hinab, das direkt am bekannten Funtensee liegt.

Rund um den Watzmann

Nach der Übernachtung im Kärlingerhaus, das man nicht weiterempfehlen kann, da die Bewirtung nur auf Profit ausgerichtet ist, starteten wir um kurz vor acht mit schweren Beinen in Richtung Ingolstädter Haus. Mit der Sonne im Rücken marschierten wir durch die Karstfläche des Steinernen Meers bis zu einem Sattel südlich des Großen Hundstods. Von dort fuhren wir eine hart gefrorene, steile Flanke ins Hochwies ab, um anschließend ein letztes Mal anzufellen. Das Ziel hieß Kematenschneid und verlangte uns einen Aufstieg von 450 Höhenmetern ab. Der Rest war ein Kinderspiel: Auf die Abfahrt durch den Loferer Sailergraben folgte das Wimbachgries, das man noch ganz gut mit Skiern hinausfahren konnte. Eine halbe Stunde tragen zur Wimbachbrücke blieb uns am Ende aber doch nicht erspart. Bei der Heimfahrt hat uns Seppe noch zu einer gscheiden Brotzeit zu sich nach Höglwörth eingeladen. Besten Dank nochmals an seine Mutter!

Höhenprofil
Grosse_Reibn.gpx (Download GPS-Track)