Jun
21
2009

Dreiländergiro in Nauders, 168 km und 3300 hm

Straßen und Wetter – Bergauf bergab

Am Samstag reisten wir (Marold und Poschi) nach Nauders, um am Tag darauf den Dreiländergiro über das Stilfser Joch, durch Österreich, Südtirol und die Schweiz zu bestreiten.

Der Moderator der Veranstaltung versprach uns für den kommenden Renntag ein trockenes, aber leider kein allzu warmes Wetter, was uns zwar etwas zweifelhaft für die Abfahrten stimmte, aber die gehegten Gedanken an eine Nichtteilnahme verdrängte. Ausschlaggebend sollte für uns allein das Wetter am Start sein.

Um 4.45 Uhr hieß es am Sonntag „raus aus den Federn“, um noch schnell das Lunchpaket des Hotels nach Brauchbarem für ein angemessenes Frühstück zu durchstöbern. Draußen war es trocken, das bedeutete auf jeden Fall mal an den Start zu fahren. Marold drückte sich ein Käsebrot in die Backen und schlürfte nebenbei ein Müsli, das es am Samstag bei der Startnummernausgabe als Beilage gab. Ich selbst konnte gerade so das Müsli „trinken“, mehr ging allerdings nicht.

Um halb sechs fuhren wir schließlich mit dem Auto von Pfunds, die zehn Kilometer lange Passstraße hinauf nach Nauders, um an einer Liftstation die Räder für das Rennen startklar zu machen.


HammerGel

Am Start waren bereits einige tausend Leute, somit drängten wir uns etwas von der Seite an die vorderen Plätze, da die Erfahrung bei anderen Rennen dieser Art schon zeigte, dass man mit Überholen einfach zu viel Zeit verliert.

Pünktlich um 06.30 Uhr betätigte der DJ im Startbereich seinen „Play-Button“ und hämmerte uns „Thunderstruck“ von AC/DC um die Ohren. Schon packte ich die Luftgitarre aus und zupfte an den virtuellen Seiten, bis das Feld schön langsam zu rollen begann.

Der Start verlief hervorragend und wir kamen mit den ersten 200 Startern gut voran.

Es ging ein paar Kilometer über den Reschenpass und rechts am Reschensee vorbei in Richtung Prad. Von dort aus steilte sich das Gelände zum ersten Mal auf und wir waren kurz vor der Einfahrt in die kommenden 48 Kehren des Silfser Joch.

Bisher waren die Temperaturen noch erträglich, vor allem beim Bergauffahren hatten wir bis dato keine Probleme.

Dies sollte sich aber bald wandeln. Ungefähr bei Kehre 15 (die Kehren sind abwärtszählend bis zum Joch beschildert) konnte man schon seinen Atem in der Luft sehen und es begann etwas zu schneien. Am Joch selbst auf 2757 Meter hatte es gerade einmal drei Grad und wir waren heilfroh, nach knapp zwei Stunden und 1900 Höhenmetern Auffahrt, die langen Handschuhe anziehen zu können.


Werbung


Ensinger SPORT mit Frucht

Zwar waren die für kurze Zeit wirklich hilfreich, doch bei Geschwindikgeiten über 70 km/h und Temperaturen nahe am Gefrierpunkt schützt auch das nicht lange. So froren wir über den Umbrailpass hinunter, bis in der Mitte der Abfahrt eine Naturstrasse mit Streusplit auftauchte.

Nachdem die Finger schon so eingefroren waren, dass wir kaum mehr bremsen konnten, mussten wir kurz anhalten, um irgendwie zu versuchen, wieder Gefühl in die Finger zu bekommen. Nebenbei stellten wir uns an den Straßenrand und erleichterten uns von den aufgenommen Flüssigkeiten. Als ich meinen Urin so dampfen sah, musste ich einfach meine Finger darunter halten um möglichst schnell die Taubheit loszuwerden. Das klappte relativ gut und wir fuhren die letzten Kilometer nach St. Maria ins Tal hinab.

Der vermeintlich kürzere Ofenpass stellte sich nochmals als ganz schöner Brocken heraus, da er mit über 10 Kilometern auch nicht der einfachste war. Um wieder warm zu werden, war er jedoch ideal.

Nachdem auch diese Hürde überwunden war, konnte es auch ruhig zu hageln beginnen. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid und so führten wir eine Gruppe nicht so motivierter Radler einige Kilometer bis nach Susch, wo der Hagel dann in Regen wechselte, um die eh schon seit 115 Kilometer tauben Zehen etwas einzuweichen.

Die letzen 25 Kilometer bis kurz vors Ziel waren dann problemlos in einer Gruppe zu bewältigen. Von der Führungsarbeit befreiten wir uns selbst, da von den anderen sowieso keiner Lust hatte, mit etwas Renntempo zu fahren. Von Martina aus gaben wir uns mit dem letzen Sechs-Kilometer-Anstieg noch die Ehre. Als ich einen Schweizer Kollegen neben mir fragte, wie lang denn dieser Berg noch sei, entgegnete er nur „das ist ja wohl kein Berg“. Naja, im Gegensatz zu unseren halbhohen Heimathügeln würde ich jetzt zwar schon meinen, dass dieser Anstieg unter diese Kategorie fällt, aber gut…. Bis wir das ausdiskutiert hatten waren wir auch schon oben und mussten nur noch ins Ziel zu den applaudierenden Radsportfans abfahren. Shake-Hands mit dem Schweizer und das Rennen war gelaufen. Nach sieben Stunden und ein paar Sekunden im Sattel, stellten wir dann lächelnd fest: Was, schon vorbei? Das ging aber schnell! (Unsere Zeiten gibts hier: http://www.mall-nauders.at/dlr.html)

Die Verpflegung an den einzelnen Stationen war hervorragend organisiert und wirklich reichlich. Leider schleppten wir selbst viel zu viele Powerbars und Gels mit auf die Strecke. An den Stationen hatten sie davon genügend bereitgestellt – tja, hätten wir das vorher gewusst.


Infos zur Veranstaltung gibt es unter www.dreilaendergiro.com

Lokalisten.de im Porträt


Geschrieben von Poschi in: Radsport | Schlagwörter: , , , , , , , ,