Mrz
19
2009

Skihochtour, Silvrettadurchquerung mit Start in Ischgl (6500 hm), 4 Tage

Vom 19.  bis 22. März, durchquerten wir, Poschi, Lolo, Krissi, Johnny und René die Silvretta. Als Route war eine viertägige Rundtour von Ischgl aus geplant. Dabei übernachteten wir auf der Heidelberger-, der Jamtal- und der Wiesbadener Hütte.

Das Tor ins Abenteuer

Pünktlich mit den staunenden Skitouristen aus aller Welt, die sich in der “Bettenburg” Ischgl die Klinke in die Hand geben, sind wir – fünf Skibergsteiger - im kleinen Vorarlberger Skiort angekommen. Zuvor haben wir René in München mitgenommen und Halt zum Frühstücken in einer abgedrehten Bäckerei in Garmisch-Partenkirchen gemacht. Mit unserer kompletten Ausrüstung, samt Pickel am Rucksack und Piepser am Körper, marschierten wir wie Außerirdische durch die Straßen von Ischgl. An der Talstation der Seilbahn vorbei begleiteten uns die erstaunten Blicke der Skifahrer bis an den Beginn der Piste. An deren Rand brachten wir die ersten Höhenmeter hinter uns und mussten mal wieder feststellen, dass die Mehrheit der “Skifahrer” dieses Prädikat gar nicht verdient. Mitten durchs Skigebiet ging es mehrere Stunden am Rand der Piste berauf. Kurz unterm Zeblasjoch bogen wir ins freie Skigelände ein und kämpften uns bei Schneetreiben und heftigem Wind entlang eines Rückens auf einen namenlosen Vorgipfel (2884 m) der dem Piz Val Gronda nördlich vorgelagert ist. Bei bescheidenen Sichtverhältnissen fuhren wir Richtung Heidelberger Hütte ab und erreichten diese nach kurzem Anfellen.

Die Majestät streubt sich

Am nächsten Morgen ging es in gut zwei Stunden aufs Zahnjoch (2947 m), das den Weg zu unserem Ziel öffnete: Das Fluchthorn, mit seinen drei Gipfeln und knapp 3400 Meter, ist dieser Koloss das höchste der Gefühle für Skitourengeher in der Silvretta. Nach unserem Skidepot auf 3100 Meter kämpften wir uns noch gut 150 Höhenmeter in knietiefem Schnee gen Gipfel. Doch es sollte nicht sein: An diesem Tag sollte kein Bergsteiger auf dem Fluchhorn (3399 m) stehen, auch wir nicht. Im Anschluss kurvten wir  fünfzöpfige Parallelschwünge in einen Idealhang oberhalb des Finanzersteins (siehe Fotos). Dem folgte ein erneuter Aufstieg auf den Grenzeckkopf (3048 m) und die Abfahrt zur Jamtalhütte, unserem Quartier für die Nacht.

8 Stunden, 2 große Gipfel und 2200 Höhenmeter

Am dritten Tag folgte der Hammer: Über der Oberen Ochsenscharte (2977 m) gewannen wir an der Nordwestflanke der Dreiländerspitze an Höhe. Ab dem Skidepot kletterten wir mit Steigeisen an den Tourenstiefeln auf dem Westgrat, der immerhin ein Zweier ist, in Richtung höchstem Punkt. Fast als einzige Seilschaft erreichten wir den Vorgipfel der Dreiländerspitze (3197 m). Die paar Meter zum Kreuz ersparten wir uns im Blick auf die bevorstehenden Aufgaben des Tages. Die grandiose Abfahrt in feinstem Pulver über den Vermuntgletscher entschädigte für jegliche Aufstiegsmühen. Die Rast mit kurzer Brotzeit kräftigte uns für den finalen Aufstieg zur Egghornlücke (3047 m). Wegen der vorgerückten Stunde bestiegen wir anstatt des Silvrettahorns “nur” das Silvretta Egghorn (3147 m). Auf den Brettern, die ein Stück Freiheit für uns bedeuten, wedelten wir in feinstem Pulverschnee auf dem Ochsentaler Gletscher knapp 1000 Höhenmeter hinab. Die letzte Aufgabe des Tages war der Gegenanstieg zur Wiesbadener Hütte (2443 m), den wir zum Ausgehen nutzten.

Piz Buin: Wo war die Sonne?

Am letzten Tag unserer 4-Tage-Tour stand der dritthöchste Gipfel der Silvretta auf dem Tourenplan. Der Name Piz Buin (3312 m), der durch die gleichnamige Sonnencreme berühmt wurde, stammt aus dem Rätoromanischen und heißt übersetzt nicht etwa “Sonne”, sondern ganz unspektakulär “Ochsenspitze”. Bei böhigem Wind kletterten wir mit Pickel in der Hand und Steigeisen an den Füßen von der Buinlücke (3054 m) über den Westgrat zum höchsten Punkt. Nach ansprechender Kletterei spitzten am Gipfel sogar einige Sonnestrahlen durch die Wolkendecke. Auf die Plicht folgte die Kür: Bei der Abfahrt bis an den Rand des Silvrettastausees versuchten wir eigene Zöpfe in den verspurten Pulverschnee zu flechten. Was dann kam, kann man als weitere Trainingseinheit titulieren: In mehr oder weniger perfekter Skating-Technik liefen bzw. quälten wir (uns) über den zugefrorenen Stausee und anschließend die acht Kilometer lange Langlaufloipe talauswärts nach Wirl bei Galtür.

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silvrettadurchquerung2009(click to enlarge)

Höhenprofil
Silvrettadurchquerung2009 (Download GPS-Track)

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Geschrieben von Lolo in: Skitouren | Schlagwörter: , , , ,