Feb
21
2009

Lehrgangswoche Fachübungsleiter Skibergsteigen auf der Lizumer Hütte (2019 m), Tuxer Alpen

Ende letzten Jahres frage mich unsere Sektion des DAV, ob ich nicht lust hätte, den Fachübungsleiter für Skibergsteigen zu machen. Nachdem wir doch jedes Jahr ein paar Touren unternehmen und sich die Ausbildung wesentlich mit dem Umgang alpiner Gefahren und anderen praktischen Themen beschäftigt, nahm ich das Angebot gerne an und meldete mich dieses Jahr, zum ersten Kurs, der zweiteiligen Ausbildung an.

1. Tag:

Ursprünglich wollten mein Bruder Franz, der Wimmer Flo und ich, am Samstag, den 14.02. zu dritt morgens aufbrechen, eine gemeinsame Skitour gehen und am Abend sollten die anderen Beiden wieder nach Hause fahren, sodass mein Auto nicht  die ganze Woche in Wattens einschneit wird. Nachdem sich dieser Plan aber in der Nacht um 03.00 Uhr, nach einer SMS von der Wimmerin, vollkommen zerschlagen hat, fuhr ich dann gemütlich allein um 10.00 Uhr von Abensberg, Richtung Lager Walchen, ins Wattener Lizum.

Da die benötigte AV-Karte incl. Planzeiger und Erste Hilfe Pack (welches vorsorglich bei Lolo bestellt wurden, da er ja durch seine Tätigkeit bei der Alpinen Auskunft, den vermeintlich kürzeren Draht hat) noch immer mit der Post durch Bayern schwirrten, musste ein kleiner Abstecher nach Holzkirchen zu Bergzeit gemacht werden, um die Gebietskarte von Innsbrooklyn und Umgebung, sowie den AV-Planzeiger zu besorgen.

Glücklich dass nun alles im Gepäck war ging die Reise weiter, jedoch klang schon kurz nach der Weiterfahrt durch das Radio “27 km Stau vorm Irschenberg”. Alles klar, dann versuch ma’s halt über den Sylvenstein und Achensee. Passt, der Verkehr ist ruhig, jedoch hielt diese Situation nicht lange und schon stand die Karre vor einer verschlossenen Straße. Geplant war ja eigentlich die Ankunft so um 13.00 Uhr, gemütliche Skitour und später dann ein Treffen mit dem Rest der Gruppe. Leider lösten sich auch diese Pläne sehr schnell in Luft auf, da sich die Anreise schließlich über 4,5 Std. mit diversen Staus hinzog. Kurz noch ein kleiner Aufstieg zur Hütte und dann wieder Abfahrt zum Treffpunkt, um für 8 € gemeinsam die gleiche Strecke mit dem Hüttentaxi nochmals hinaufzufahren.

2.Tag:

Der nächste Tag war vielversprechend, bestes Wetter und um uns herum nur unverspurter Powder.

Unsere beiden Bergführer – Max Bolland und Hajo Netzer – allerdings, nutzten diesen Tag nicht, um uns unsere Namen in Form von gleichmäßigen Schwüngen in den Schnee ritzen zu lassen. NEIN, wir mussten auf einer ebenen Fläche neben der Hütte Übungsfelder für die Verschüttetensuche austreten und präparieren.

Nachdem wir den ganzen Vormittag bei strahlendem Sonnenschein die LVS-Suche durchführten und auch jeder, nach unzähligen Ausgrabungen im hüfthohen Schnee, die versteckten Piepser gefunden hatte, durften wir am Nachmittag dann doch noch knapp 400 hm spuren um in den Genuss der ersten Tiefschneeabfahrt dieser Woche zu kommen. Unsere Bergführer retteten nebenbei eine Snowboarderin, die sich am Knie verletzte und wir sammelten bei der Abfahrt Mütze und Sonnenbrille eines anderen Skifahrers auf, der ebefalls lediglich im Schnee und nicht auf dem Schnee einen guten Eindruck machte.

Tag 3:

Dieser Tag war für uns sowohl vom Wetter als auch von der durchgeführten Tour äußerst durchwachsen. Die Tour führte von der Lizumer Hütte, über die Mölser Scharte hinunter zum Mölser Niederleger und wieder zurück. Für diese knapp 1.050 hm benötigten wir doch glatt 7 Stunden.

Wir mussten unzählige male Hangneigungen schätzen und messen, sowie Expositionen und Windzeichen im Schnee deuten. Nicht nur das verschlang Stunden an Zeit, dazu kamen noch Vorträge der einzelnen Teilnehmer über Schneehühner, Rothirsche und andere naturschutzrelevante Themen, die wohl am meisten unseren AV-Umweltmann Axel begeisterten. Interessant waren sie alle, wir wollten allerdings nur noch den wahnsinns Schnee zerschneiden.

Unsere “Führer” gönnten uns dann auch dieses Vergnügen und die Meisten von uns wollten dann eigentlich auch noch MEHR! Leider war es schon so spät, dass ein erneutes Aufsteigen nicht mehr möglich war und wir gingen in die Hütte auf eines der wunderbaren gemeinsamen Abendessen. An dieser Stelle sei doch die eindrucksvoll aussergewöhnlich gute Küche, sowie die unvoreingenommene Höflichkeit der Wirtsleute erwähnt.

4. Tag:

Der Morgen war mit Nebel durchsetzt und es schneite den ganzen Tag. Nachdem schon Lawinenwarnstufe 3 für unser Gebiet ausgegeben war, vermuteten wir auch für die kommenden Tage nichts Gutes. Eines stand für uns fest, heute wird wohl keine Tour gemacht. Und so war dieser Tag dann auch nur für Lehrübungen aller Art gedacht. Jeder Teilnehmer bekam ein Thema, über das er nach einer zweistündigen Vorbereitungszeit, 20 – 30 min der Gruppe  eine Lehrübung geben musste.

Von der Vorstellung der verschiedenen Piepsgeräte auf dem Markt über das Abfahren mit Fellen, ausschaufeln einer verschütteten Person, kritische Neuschneemengen, Einführung in die Technik des Skibergsteigens, war einiges geboten. Souverän lösten die Meisten ihre Themen, auch wenn der Max mit seinen “konstruktiven” Verbesserungen immer wieder bei uns Teilnehmern einiges durcheinander brachte.

Am Abend gabs schließlich noch ein “Dinner In The Dark” weil für eine knappe Stunde, während des Essens, der Strom ausgefallen war und der Wirt schlussendlich mit Stirnlampe die Essen servieren musste.

Tag 5:

Keiner wusste was an diesem Tag zu tun war. Zum einen planten wir zwar noch eine Tour am Vorabend, jedoch konnten wir die Wettersituation für die nächsten Tage nicht genau abschätzen. Schließlich kam um 07.30 Uhr der LLB (Lawinenlagebericht) und versprach  für die nächsten Tage eher schlechtere Verhältnisse. Somit war die Situation klar und wir machten unsere Tour mit dem Hajo.

Ziel war die 2663 Meter hohe Torspitze. Zu unserem vermeintlichen Glück spurte schon fleißig eine Seniorengruppe vor uns den Weg in Richtung Gipfel. Doch Hajo ließ sich den Spaß nicht nehmen, wir überholten die Truppe und Hajo bat sie, ob wir nicht an ihrer Stelle die Spur anlegen dürften. Wer kann das in gehobenem Alter schon ablehnen, dachten wir uns schließlich und schon musste einer von uns den Triebschnee plattwalzen. Gemütlich bei Sonnenschein ging es hinauf zur Torspitze. Nach dem Deuten von verschiedenen Windzeichen blieb uns auf dem Gipfel lediglich ein kurzes “Berg Heil”, weil uns der Wind keinen längeren Aufenthalt gönnte. So fuhren wir wieder hinunter, entgegen der zweiten Gruppe, die noch um die Graue Wand südöstlich der Torspitze herumspurte.

Tag 6:

Um den Nordstau, der uns am Vorabend erkärt wurde, auszunutzen, unternahmen wir vor den angekündigten Schlechtwettertagen noch eine Skitour. Mit Liftunterstützung fuhren wir hinauf zu den Klammspitzen, weil Skipiste kann ja jeder gehen und unser Ziel war auch ganz klar, Spuranlage, Spuranlage und nochmals Spuranlage, hauptsache selber spuren. Das war bei so viel Schnee auch wirklich kein Problem.

Wir spurten zu den Tarntaler Köpfen, beachteten die gewaltige Steilheit der Felsen und schätzten sofort richtig ein, dass wir bei der derzeitgen Situation diesen Gipfelanstieg doch besser meiden sollten. Somit machten wir uns weiter auf den Weg in Richtung Sonntagsrinne. Als wir vor dieser gewaltig steilen Rinne standen, ging uns schon so einiges durch den Kopf: Sollte man den Lehrgang vielleicht nicht doch schmeissen und einfach diese Hammer-Rinne runterfahren?

Naja, gefährlich und leichtsinnig wärs ja schon gewesen, also hieß es auf der Aufstiegsseite wieder abfahren und im flachen Gelände umherspuren. Während der vemeintlichen Mittagspause erklärte uns Hajo beim Graben eines Schneeprofils die einzeln aufgebauten Schneeschichten, welche derzeit die angespannte Lawinensituation ausmachen. Bei satten Minusgraden froren dann doch schön langsam unsere Zehen ein und wir durften auf den Östl. Klammer Schober aufsteigen um auf der anderen Seite wenigstens eine kurze Genussabfahrt in Richtung Mölser Hochleger zu bekommen. Nach diesem kleinen Vergnügen hieß es dann wieder, spuren um noch rechtzeitig zum Abendessen an der Hütte zu sein.

Als wir nach 10 Stunden und ca. 1.000 hm die Skistiefel auszogen, hatte sich die Kälte schon durch die Plastikschale am Innenstiefel festgesetzt und färbte alles in frostiges Weiß.

Tag 7:

Die Wetterzeichen standen ganz auf Theorie und wenig Praxis. Somit ergab es sich, dass an diesem Tag die Lehrproben abgehalten wurden. Wie schon bei den Lehrübungen mussten Themen vorbereitet und den anderen Kursteilnehmern erklärt und mit etwas praktischer Übung beigebracht werden. Diesmal war es jedoch ernst, denn die Vorstellung des Themas entschied mitunter über Bestehen oder Nichtbestehen des Lehrgangs.

Nacheinander plauderte jeder über Sachen, die zwar fast schon selbstverständlich waren, aber für den Einen oder Anderen vor einer Anfängergruppe doch zu Schwierigkeiten in der Erklärung führen könnten. Soweit so gut… schließlich war auch das überstanden und die nächste Probe, die Verschüttetensuche unter 5 Minuten war angesagt.

Alle mussten hinter einer Hütte Aufstellung nehmen, um die versteckten Piepsgeräte nicht zu sehen. Auf dem Exerzierplatz des Österreichischen Bundesheers waren die kleinen Kunststoffboxen versteckt. Alle schafften auch diese Übung, wenn auch teilweise knapp – aber der “Stich” zählte und den setzte jeder in der vorgegebenen Zeit.

Tag 8:

Abschlusstour war angesagt, die Gruppen wechselten und der Max war an diesem Tag unsere Begleitung. Geplant war eine wunderschöne Tour über das Eiskarjoch, hinunter zur Vallruckalm und zum Hippoldanger und schließlich wieder hinauf über das Hippoldjoch zur Eiskarspitze (2611 m). Leider durften wir die Genussabfahrt zur Vallruckalm an diesem Tag, wegen der schlechten Sicht nicht genießen. Nach dem Aufstieg zum Eiskarjoch auf 2600 Meter, entschieden wir dann, unter den widrigen Verhältnissen die Abfahrt Richtung Zirmachalm anzugehen, um wenigstens unterhalb der Nebeldecke noch ein paar tolle Schwünge durch den Wald malen zu dürfen.

Am Abend wurde es dann nochmals richtig ernst. In einer Art “Beichtgespräch” mit den beiden Pfarrern Max und Hajo wurde das Ergebnis der Woche durchgesprochen, ob der Lehrgang bestanden oder nichtbestanden wurde. Von den zur Prüfung angetretenen elf Personen (einer reiste am 2. Abend ab), schafften doch immerhin neun Alpinisten die drei Prüfungen (Persönliches Können, Orientierung u. LVS-Test, sowie die Lehrprobe) und somit stand dem Feiern dann auch nichts mehr im Wege und es wurden an diesem Abend, bis zur Hüttenruhe um 22.00 Uhr, ein paar Flaschen Wein und Bier mehr getrunken als sonst.

Tag 9:

Ausschaufeln des Autos (was ich anfangs eigentlich vermeiden wollte) und Heimreise, oder: Wie man sein Höhenmeterdefizit der vorangegangen Woche, mit seinen Freunden in Brannenburg nachholen kann… dazu mehr im nächsten Bericht, viel Spaß!

Geschrieben von Poschi in: Skitouren | Schlagwörter: , , , , ,