Aug
27
2009
454

Peru: Die Incastadt Cusco und ihre Denkmäler

Zwei Übernachtungen auf dem Fußboden

Nach einem weiteren Ruhetag in Huaraz verabschiedeten wir uns schließlich von dem Bergsteigermekka. Mit dem Bus ging es über acht Stunden auf der Panamericana zurück nach Lima, wo wir schließlich unsere Trekkingkollegen in einer Herberge trafen. Leider war diese Pension schon so ausgebucht, dass wir uns mit dem Holzfußboden zufrieden geben mussten. Da in Lima zu dieser Jahreszeit tagsüber ständig eine Dunstglocke über der Stadt hängt, wollten wir unbedingt weg und woanders noch etwas Kulturelles unternehmen. Um elf Uhr vormittags entschieden wir uns noch heute nach Cusco zu fliegen, um in der Incastadt einige Sehenswürdigkeiten abzugreifen. Nachdem uns erst die vierte Reiseagentur für den gleichen Tag einen Flug anbieten konnte, beeilten wir uns um gegen 15.00 Uhr den Flieger in Lima zu erreichen. Pünktlich am Flughafen angekommen hatten wir noch genügend Zeit unser Gepäck aufzugeben und ein paar Süßigkeiten zu vernaschen, als plötzlich durch die Lautsprecher einer unserer Namen ausgerufen wurde. Wir hatten aus Versehen eine Gaskartusche in einem unserer Rucksäcke verstaut. Am Boardingschalter teilte man uns mit, dass es zeitlich kein Problem sei, die Kartusche aus dem Rucksack zu nehmen und wieder einzuchecken. Lolo lief so schnell er konnte ein Stockwerk tiefer an den Check-in-Schalter und wartete geschlagene 30 Minuten, bis sein Rucksack wieder bei ihm stand und er die Kartusche wegwerfen konnte. Daraufhin teilte man ihm mit, dass es nun zu spät sei, den Rucksack für den Flug erneut aufzugeben.

In der Zwischenzeit näherte sich der Zeitpunkt des Abflugs. Wir warteten auf Lolo, aber der war noch immer nicht beim Boarding angekommen. Nachdem der Mitarbeiter am Flughafen das Gate schließen wollte, flog schließlich Ferdl alleine nach Cusco, da ja ein Teil des Gepäcks bereits im Flieger war. Lolo und Poschi mussten nun auf den nächsten Flieger warten, der erst am nächsten Morgen um fünf Uhr startete. Die Nacht verbrachten wir angemessen, diesmal auf dem Steinfußboden des Flughafens.

Aufbruch zum Machu Picchu

In Cusco angekommen, trafen wir dann auch auf Ferdl, der anscheinend eine harte Nacht mit Einheimischen in diversen Kneipen verbracht hatte. Erst nach fünfminütigem Klopfen schaffte er es die Zimmertür aufzumachen. Somit war dieser Tag eigentlich auch schon gelaufen. Wir mieteten uns noch ein paar klapprige Mountainbikes und fuhren zehn Kilometer mit den Dingern einen Pass hinauf, um verschiedene Incabauten zu erkunden. Am Abend entschieden wir, die Incastadt Machu Picchu anzuschauen. Dazu benötigten wir allerdings einen Guide, da wir den Inca-Jungle-Trail in zwei anstatt vier Tagen durchziehen, und dabei auch noch Mountainbiken wollten. So traten wir tags darauf um sechs Uhr in der früh aus unserer Herberge und wurden von der Agentur mit einem Kleinbus abgeholt. Danach holten wir unseren peruanischen Guide “Alex” ab. Mit einer Alkoholfahne und keiner Minute schlaf stieg er in den Bus und schlief sofort für die nächsten zwei Stunden ein. Wir fuhren einen Pass hinauf und ließen uns knapp 300 Höhenmeter unterhalb des höchsten Punktes aussetzen. Unser Guide meinte, er stehe mehr auf “Downhill” und nicht so auf “Uphill”. Wir fuhren uns dagegen schon mal ein bisschen warm und erreichten schließlich den höchsten Punkt mit dem Namen Abra Malaga auf 4316 Metern.

Ein Pass der seinesgleichen sucht

Nun schwang sich auch Alex auf seinen Drahtesel und stürzte die vor uns liegenden 3000 Höhenmeter auf der Teerstraße hinunter. Es dauerte keine 20 Sekunden, da schossen wir gemeinsam, windschatten fahrend, an Alex vorbei. Wir ließen ihn sprichwörtlich stehen, denn schon nach kurzer Zeit konnte er uns nicht mehr sehen. Nach ein paar Kilometern warteten wir auf ihn. Als er bei uns ankam, hatte er allerdings sein Bike schon wieder im Auto verstaut und fuhr uns mit dem “Besenwagen” hinterher. Wir genossen die Abfahrt durch die verschiedenen Vegetationszonen von Peru. Über drei Stunden dauerte die Abfahrt auf dem 60 Kilometer langen Pass. Nach den letzten paar Kilometern auf Schotter wollten wir uns in den heißen Quellen von Santa Theresa etwas den Staub aus den Haaren waschen. In einer schön angelegten Anlage testeten wir die verschieden Becken von warm bis heiß.

Es kann eigentlich nur noch besser werden

Am nächsten mogen ging es wieder früh los. Um drei Uhr starteten wir zum Machu Picchu. Wir waren allerdings noch weit davon entfernt, wollten aber unbedingt den Sonnenaufgang dort oben miterleben. Wie am Vortag kam unser Guide mal wieder rotzevoll aus einer Disco zu uns. Erst einmal ging es mit dem Taxi nach Hydro Electrica, von wo wir zu Fuß aus weiter marschieren mussten. Als wir aus unserem Taxi ausstiegen, meinte Alex, dass wir jetzt losfahren. Erst nachdem wir und der Taxifahrer dem Guide erklärten, dass wir schon gefahren sind, bemerkte unser betrunkener Führer wo wir uns befanden. Zu Fuß gingen wir entlang einer Eisenbahnschiene, wo uns zum Glück ein alte gelbe Inspektionslokomotive überholte. Unser Guide sprach daraufhin ein paar Worte mit dem Führer der Quadratmeter-großen Lok und kurz darauf fuhren wir mit den vier Mitarbeitern zum Aufstieg an den Machu Picchu. Wahrscheinlich war der Lokführer nach wenigen Minuten selbst betrunken nachdem er sich mit Alex im Vier-Augen-Gespräch unterhalten hatte.

Trostlos wartend vor dem Weltkulturerbe

Alex erklärte uns, dass wir nun zum Eingang hinauf gehen sollten. Er kaufe noch schnell die Tickets in der nächsten Stadt und fahre dann mit dem Touristenbus hinauf, wo wir uns dann in 40 Minuten treffen würden. Überglücklich, dass wir durch die Zugfahrt pünktlich zum Einlass um sechs Uhr oben sein werden, spurteten wir die 3.000 Stufen hinauf zum Eingang in die Incastadt. Um 05.20 Uhr standen wir dann vor dem Eingang und warteten auf unsere Tickets. In der Zwischenzeit ergatterten wir noch eines der begehrten 400 Tickets für den Waynapicchu, dem Aussichtsberg auf Machu Picchu. Wir reihten uns in die Schlange der anstehenden Personen ein und hofften, dass im nächsten Bus unser Guide mit den Tickets sitzt. Wir warteten und warteten… Es wurde sechs Uhr und alle wurden in die Stadt gelassen. Nur wir nicht! Wir warteten weitere zwei Stunden bis wir schließlich bei der Agentur anriefen und dann feststellen durften, dass wir uns die Tickets selber kaufen können, da unser Guide nicht auffindbar sei. Nach elendigem Geldwechseln zu miesen Kursen kratzten wir unsere letzen Kröten zusammen und konnten endlich die atemberaubende Steinstadt bewundern.

Nur noch weg von hier

Der morgen darauf war unser Heimreisetag. Allerdings hatten wir noch eine Rechnung mit unserem Möchtegern-Guide und der Agentur in Cusco offen. Wir gingen zur Agentur und es kam doch tatsächlich Alex in das Büro. Zittrig präsentierte er uns noch schnell eine Notlüge, die sein Verhalten erklären sollte, bis Ferdl ihn unterbrach und wir mit unseren Argumenten jeden einzelnen Centimo, den wir auslegen mussten, von ihm einforderten. Alex wollte doch glatt mit uns verhandeln, musste aber leider feststellen, dass unsere Geduld mit ihm am Ende war und somit konnten wir dann noch 50 Dollar zusätzlich abstauben. Dieses Geld wäre für eine zweistündige Führung durch Machu Picchu gewesen, was eigentlich Alex übernehmen sollte. Daher waren wir mit dem Preis auch nicht kleinlich und bekamen alles, was wir wollten. Etwas frustriert schlenderten wir noch über die Plaza del Armas, ließen uns ein paar Speisekarten unter die Nase halten und Massagen anbieten. Wir stellten gemeinsam fest, dass uns die touristischen Ziele anscheinend nicht in bester Erinnerung bleiben werden.

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Geschrieben von Poschi in: Allgemein | Schlagwörter: , , ,
Aug
26
2009

Peru: Nev. Huascaran (6768 m) von Musho, Cordillera Blanca

Zu schwer fuer einen Burro

Nach zwei Tagen Pause in Huaraz fuehlten wir uns genuegend gestaerkt, um den Thron des Koenigs von Peru zu besteigen. Mit unserem HauschauffeuEdr Edgar ging es in gut eineinhalb Stunden von Huaraz nach Musho. Auf 3000 Meter luden wir bei einem Arriero unsere beiden Seesaecke auf zwei Esel. Unser Ziel, der Eisgipfel des Huascaran, tuermte sich wie ein uebermaechtiger Koloss vor uns auf und schien unnahbar. Gut drei Stunden Anstieg spaeter waren wir unserem Ziel schon ein ganzes Stueck neaher. Auf einer der Terrassen im Basislager auf 4200 Meter Hoehe schlugen wir unsere Zelte auf und kochten uns etwas Warmes zum Essen. Ferdl, der schon einen Tag nichts mehr gegessen hatte, musste ununterbrochen einen grossen Stein nach dem anderen aufsuchen: Diagnose Extremdurchfall.

Zwei Wege fuehren zum Ziel

Extrem geschwaecht konnte Ferdl am folgenden Tag nur noch ohne Rucksack in Richtung Refugio Huascaran (Huette) aufbrechen. Auf dem Zahnfleisch erreichte Ferdl nach drei Stunden die 4676 Meter hohe Schutzhuette. Lolo stieg wieder ab und holte seinen Rucksack und die anderen beiden stiegen weiter auf, um auf der Gletschermoraene einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Schlussendlich uebernachteten wir auf 4850 Meter zu dritt in unserem Zwei-Mann-Quechua-Zelt. Schneefall und Graupelschauer liessen uns schnell ins Zelt fluechten. Ab jetzt ging es nur noch als Trio auf den Berg. Ferdl erholte sich von seiner Lebensmittelvergiftung auf der Huette.


Durch die Garganta

Um acht Uhr, fast ein wenig zu spaet, um der Sonne zu entgehen, machten wir uns auf den Weg auf den Gletscher. Nach gut einer Stunde hatten wir dasa Hochlager 1 passiert, was eigentlich unser Nachtlager sein sollte. Der Weiterweg sollte die schwierigste Passage am Huascaran sein: Die sogenannte Garganta (“Eisfall”) erwies sich als zahm und lies uns gnaedigerweise passieren. Ausser einem kurzen Steilstueck und jeder Menge hochhaustiefer Gletscherspalten waren fuer die gut 1000 Hoehenmeter jede Menge Kondition gefragt. Um halb eins, bei bruetender Hitze auf dem Gletscher, erreichten wir das gut besuchte Hochlager 2, auch “campo garganta” genannt. Auf 5900 Meter kochten wir fleissig Tee, Suppe und unsere geliebte Expeditionsnahrung. Am naechsten Tag sollten ein 12-koepfige Gruppe aus England mit uns zum Gipfelstrurm aufbrechen. Leider ging uns am Abend das Gas zum Kochen aus.

15 Stunden auf den Beinen

Puenktlich um 12 Uhr nachts laetete uns der Wecker aus dem  nicht vorhandenen Schlaf. Dadurch dass es so eng im Zelt war, konnte keiner von uns ein Auge zumachen. Voellig kaputt quaaelten wir uns aus dem warmen Schlafsack in die sternenklare, aber eiskalte Nacht. Gott sei Dank kochte uns der Koch der Englaender einen Topf Wasser mit, sonst haette es schlecht ausgesehen mit dem Gipfelanstieg. Um halb zwei Uhr brachen wir als erstes in Richtung Nordgipfel auf. Die Gruppe Englaender folgte mit ihren einheimischen Fuehrern.


Die Nacht liess im Schein der Stirnlampen nur spaehrlich erahnen, durch welch riesige Serrackzonen die Aufstiegsspur zog. Ein falscher Tritt haette fatale Folgen fuer die ganze Seilschaft gehabt. Im Morgengrauen hatten wir bereits nach fuenf Stunden Aufstieg die Schluesselstellen ueberwunden, allerdings machte uns die Kaelte kurz vor dem Gipfel so dermassen zu schaffen, dass gefuehllose Zehen, aufgeplatzte, blaue Lippen und Ganzkoerperzittern uns zur Umkehr zwangen. Eine halbe Stunde vor dem Gipfel, auf knapp 6700 Metern, drehten wir um, um Folgeschaeden an unseren Koerpern zu vermeiden. Dass unsere Entscheidung die richtige war, erkannten wir spaetestens beim Abstieg, als Johnny im Schneckentempo die Spur herunterkroch. Spaeter zeigte sich der Grund dieses Uebels: Er liess sich das letzte Essen nochmals durch den Kopf gehen :-) und markierte den Weg mit Huhn in Curryrahm.

Voellig entkraeftet kehrten wir zum Hochlager zurueck und liessen uns erst einmal in den Schatten der Schneemauern fallen. Der nette Koch der Englaender sah uns dahinsiechen, reagierte sofort und reichte uns einen Topf Wasser. Nachdem wir die letzten vorhanden Gels und Riegel hinunter gewuergt hatten, bauten wir unser Zelt ab und machten uns auf den Weg zu Ferdl ins Refugio Huascaran. Nach weiteren drei Stunden Abstieg in sengender Hitze durch die Garganta erreichten wir die Gletschermoraene, auf der die Huette steht. Da keiner mehr in der Lage war, das Zelt aufzubauen, goennten wir uns die Nacht mit Halbpension im Schutz der Huette.

Bergsteigerkodex missachtet

Die fuer den naechsten Tag um zwoelf Uhr bestellten Esel erschienen nicht im gut eine Stunde weiter unten gelegenen Basislager. Fuer uns bedeutete dies, zweieinhalb Stunden erneut einen riesigen Rucksack zu schleppen. Die von uns im Basislager deponierten Seesaecke waren ausserdem verschwunden. Material im Wert von mehreren Hunderten Euros ist nun im Besitz eines anderen, der den “Mountain Spirit” wohl nicht kennt.

Die Sicherheit in Huaraz ist weiblich

Das Kuriosum dieses Zwischenfalls folgte tagsdarauf im Polizeibuero von Huaraz: Zwischen vier und sechs junge, huebsche Polizistinnen kuemmerten sich ruehrend, um unsere Anzeige zu Papier zu bringen. Nun ist jeder von uns im Besitz eines hoechst offiziell erscheinenden Dokuments mit Fingerabdruck und diversen Stempeln. Die Aufnahme fuer dieses Papier dauerte geschlagene drei Stunden in einer hoechstens 15 Quadratmeter grossen Polizeistation. Obwohl die eine Seite die andere nicht verstand, herrschte keinesfalls Totenstille in dem Buero.

Höhenprofil
Huascaran (Download GPS-Track)

Geschrieben von Lolo in: Bergsteigen | Schlagwörter: , , , , ,